Maria ist jetzt 4 Jahre alt. Sie hatte erst im Oktober ihren vierten Geburtstag und ist seitdem die stolze Mama von einem Teddybären namens Theo. Seit ihrem Geburtstag machen die beiden natürlich alles zusammen.
Eine Weile später, es ist gerade Dezember geworden, fragt der Papa Maria, was sie sich zu Weihnachten wünschen möchte. Das ist eine wichtige Frage, das spürt Maria sofort. An diesem Abend berät sie sich ausführlich mit Theo, was sie sich vom Weihnachtsmann denn wünschen möchte. Kurz bevor sie einschläft, kommt Maria die entscheidende Idee.
Am nächsten Morgen rennt sie sofort nach dem Aufstehen zu ihrem Papa und weckt ihn auf. „Papa, Papa, ich weiß jetzt, was ich mir zu Weihnachten wünsche!“, ruft sie. „Meinst du, der Weihnachtsmann kann mir ein Einhorn schenken?“
Marias Papa schaut ganz überrascht zu ihr aus dem Bett herunter. „Also das müssen wir ihn selbst fragen.“, antwortet er verschlafen.
Gesagt, getan. Maria rennt los und will das Telefon holen. „Warte! Wo willst du denn hin? Lass uns erst einmal frühstücken und überlegen, wie wir den Weihnachtsmann überhaupt fragen können.“, ruft ihr die Mama noch hinterher.
Ein kurzes und aufregendes Frühstück später, bei dem Maria kaum auf ihrem Stuhl sitzen bleiben konnte, überlegen die drei, wie man den Weihnachtsmann wohl erreichen kann. Das Telefon scheidet aus, niemand von ihnen kennt die Telefonnummer vom Weihnachtsmann. Ihn besuchen kann man auch nicht so leicht. Dann fällt Maria aber noch ein, dass sie im Kindergarten schon einmal einen Brief zusammen an den Weihnachtsmann geschrieben haben. Sie kann zwar noch nicht schreiben, aber ihre Eltern helfen ihr gerne.
So sitzen die drei nach wenigen Minuten am Küchentisch, einen Zettel, Briefumschlag und Stifte vor sich und überlegen, wie sie Marias Wunsch am besten aufschreiben wollen. Die Mama meint, vielleicht kann der Weihnachtsmann gar keine Einhörner verschenken, weil sie niemandem gehören. So einigen sie sich schließlich auf einen Brief:
Lieber Weihnachtsmann,
ich heiße Maria und bin das ganze Jahr über
ganz lieb gewesen. Ich möchte mir gerne zu
Weihnachten wünschen, dass ich einmal
Einhörner sehen kann. Bitte schick mir doch
einen Brief zurück.
Deine Maria
Die drei verschließen den Brief gut, schreiben die Adresse vom Weihnachtsmann darauf und der Papa verspricht, ihn am nächsten Tag in den Postbriefkasten einzuwerfen. Maria ist überglücklich und hofft, dass der Weihnachtsmann den Brief auch lesen wird.
Wenige Wochen später denkt Maria immer noch oft an ihren Brief an den Weihnachtsmann. Noch hat sie keine Antwort erhalten, aber Heiligabend ist ja auch erst morgen. Voller Spannung und Vorfreude schläft sie an diesem Abend zusammen mit Theo ein.
Nun ist Heiligabend. Maria wacht von alleine auf und blinzelt verschlafen mit den Augen. Aber schon erinnert sie sich, welcher Tag heute ist und springt aus dem Bett. Ihre Eltern muss sie heute nicht wecken, die sind sicher schon genauso aufgeregt wie Maria. Der Papa und die Mama sitzen schon am Frühstückstisch.
Sofort läuft Maria zum Tisch und setzt sich ungeduldig hin. Sie weiß natürlich, dass das Frühstück sehr wichtig ist und fängt an zu essen. Nachdem sie fertig ist, schaut sie ihre Eltern mit großen Augen an und fragt ganz schüchtern, „Mama, ist heute ein Brief vom Weihnachtsmann angekommen?“
Die Mama schaut überrascht von ihrem Kaffee nach oben und sagt: „Wir waren heute noch gar nicht am Briefkasten, meine Kleine.“ Schon während sie redet, springt Maria auf und rennt zum Briefkasten. Ihre Mama folgt ihr mit dem Briefkastenschlüssel.
Und tatsächlich, im Briefkasten ist etwas. Es ist kein Brief, aber Maria kann sehen, dass es glänzt. Für sie sieht es aus wie eine Eintrittskarte. Ihre Mama runzelt die Stirn und nimmt die Karte aus dem Briefkasten.
„Was steht denn da, Mama? Ist die vom Weihnachtsmann?“
Marias Mama dreht die Karte hin und her und antwortet dann, „Es steht nicht darauf, vom wem sie ist. Lass uns nach drinnen gehen.“
Wieder am Küchentisch angekommen gibt ihre Mama die Eintrittskarte dem Papa in die Hand, der sie langsam liest.
„Sieht aus, als würden wir morgen einen Ausflug machen, ihr zwei!“, sagt der Papa an Maria gerichtet. „Das ist eine Eintrittskarte für eine Führung durch eine Höhle.“
Maria bleibt der Mund offen stehen, sie war noch nie in einer Höhle. Gibt es da Fledermäuse? Ist die Karte vielleicht vom Weihnachtsmann und sie kann in dieser Höhle Einhörner sehen?
Während sie nachdenkt, schaut ihre Mama schon mit ihrem Handy, wo diese Höhle denn ist. Es gibt keine Adresse auf der Eintrittskarte und als sie nach der Wegbeschreibung im Internet nach der Höhle sucht, ist dort einfach nur Wald. „Sehr merkwürdig.“, meint sie zum Papa.
Am nächsten Morgen steigt Maria mit Theo, ihrem Papa und ihrer Mama ins Auto und sie fahren früh los, um die Höhle zu suchen. Laut der Wegbeschreibung, ist sie gar nicht so weit von zu Hause entfernt, auch wenn noch niemand der vier bis jetzt von dieser Höhle gehört hat.
Nach einer kurzen Autofahrt, findet sich die Familie auf einer kleinen Straße im Wald wieder. Auch andere Autos fahren auf dieser Straße in ihre Richtung.
Auf einmal endet die Straße auf einer kleinen Lichtung am Fuß eines Berges. Vor sich sieht Maria eine Felswand, in der eine kleine Öffnung ist. Es gibt keine Schilder und keinen Parkplatz. Da steht nur eine zierliche Frau vor der Höhle und wartet geduldig.
Die vier beschließen, aus ihrem Auto auszusteigen. Sie sind damit nicht die einzigen. Mehrere Autos halten an und Erwachsene und Kinder steigen aus. Alle sammeln sich um die Frau am Höhleneingang, die sie anlächelt.
Als alle Leute ausgestiegen sind und zur Höhle gekommen sind, fängt die Frau an zu sprechen. „Hallo zusammen! Ich heiße Melanie und ihr seid heute sicher hier, um die Einhörner zu sehen, oder?“
Maria schaut sich erstaunt um und sieht, wie rund um sie herum die Kinder anfangen zu grinsen. Auch sie kann sich nicht zurückhalten, sie will unbedingt Einhörner sehen!
„Ihr habt sicher eure Eintrittskarten mitgebracht, oder?“, fragt Melanie und sieht den Kindern einzeln in die Augen. Schon strecken sich ihr viele Hände mit glänzenden Karten entgegen. Melanie lächelt wieder. „Also gut, aber Einhörner zeigen sich nur denjenigen, die sich unbedingt wünschen, sie zu sehen. Eure Eltern können also heute nicht mitkommen. Aber keine Angst, bei mir seid ihr sicher. Wir machen nur einen kleinen Spaziergang durch die Höhle hier hinter mir.“
Einige der Eltern runzeln etwas verwirrt die Stirn, aber als sie die Vorfreude in den Augen ihrer Kinder sehen, lassen sie diese doch mit der Frau gehen.
„Es dauert auch gar nicht lange, liebe Eltern. Genießt ein bisschen die Ruhe im Wald und wir kommen bald wieder hierher zurück.“, sagt Melanie und dreht sich schon um zur Höhle.
Maria ist immer noch ganz außer sich vor Freude und folgt Melanie zum Höhleneingang mit Theo an der Hand. Dort angekommen dreht sie sich nochmal um und winkt ihren Eltern zu. Dann betritt sie die Höhle und es wird dunkel.
Aber nur ganz kurz. Eine Biegung der Höhle später steht nämlich schon Melanie und verteilt kleine Taschenlampen an die Kinder.
„Also gut zuhören zusammen. Wir laufen jetzt ein kleines Stückchen bergab durch die Höhle. Hier ist es ziemlich eng, also passt auf, dass ihr euch nicht an etwas stoßt. Auf geht’s, alle mir nach!“
Maria hüpft schon auf und ab und fragt sich natürlich, was Einhörner hier in so einer Höhle wohl machen. Sie dachte immer, die Einhörner leben im Wald und verstecken sich vor den Menschen.
Die kleine Gruppe läuft langsam tiefer in die Höhle hinein. Melanie hatte recht, es ist wirklich ziemlich eng, obwohl Maria gar nicht so groß ist. Immerhin passt Theo gut durch jede Engstelle hindurch.
Nach wenigen Minuten verbreitert sich der Gang zu einer Kammer im Berg. Maria kann von ihrer Position aus nicht erkennen, wie groß der Raum ist, aber sie kann keine Wände sehen.
Melanie lässt die Kinder kurz warten und geht ein paar Schritte voraus. In der Mitte der Kammer angekommen holt sie eine helle Lampe aus ihrer Tasche, stellt sie ab und schaltet sie ein.
Ein Staunen geht durch die Kindergruppe, als sie sich umschauen. Der Raum ist zwar nicht so groß, wie Maria dachte, aber wunderschön. Es gibt glitzernde, weiße Kristalle an den Wänden. Überall hängen Steinspitzen von der Decke und von unten wachsen ihre Spiegelbilder nach oben. Manche Wände sehen fast aus, als wären sie von spitzen Zähnen bedeckt. Überall tropft es und man kann Wasser fließen hören.
Als Melanie sich räuspert, verstummen die Kinder sofort. Gespannt hängen sie an den Lippen der kleinen Frau.
„Ihr fragt euch sicher, wo hier unten Einhörner sein könnten.“, fängt Melanie an. „Ich erkläre es euch gern.
Früher gab es überall auf der Welt Einhörner, die frei durch die Wildnis streiften. Sie konnten überall hin und waren besonders gerne im Wald und in den Bergen. Nach und nach kamen auch Menschen hierher. Und die Einhörner, die sehr scheu und schüchtern sind, versteckten sich voller Sorge, wer denn die Neuen sein könnten.
Die großen Menschen bemerkten die Einhörner gar nicht. Sie waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und damit, Dörfer zu bauen und im Wald Holz zu suchen. Aber die Kinder konnten immer mal wieder einen Blick auf die Einhörner erhaschen. Vor allem auf die jungen Einhörner, die genauso neugierig waren wie die Menschenkinder.
In dieser Zeit kamen die Einhörner zusammen und beschlossen, dass die Menschen zu aufmerksam waren. Sie hatten beobachtet, wie die Menschen Wölfe gezähmt haben und nun Begleiter in ihnen gefunden hatten. Das wollten die Einhörner aber nicht. Sie wollten lieber frei und geheim bleiben.
Und so beschlossen die Einhörner, dass sie weiter im Geheimen im Wald und in den Bergen bleiben wollten. Sie merkten aber auch, dass einige unter ihnen so ein anstrengendes Leben nicht wollten. Vor allem die älteren Einhörner, die schon eine Familie hatten, wollten lieber mit den Menschen zusammenarbeiten und bei ihnen leben.“
„Aber ich habe noch nie ein Einhorn bei den Menschen gesehen.“, murmelt Maria leise. Melanie, die sie gehört hat, aber meint: „Das hast du bestimmt schon, meine Kleine. Sie verstecken sich nur auf eine andere Weise.
Damals beschlossen die Einhörner, dass die jungen sich wie immer schon in der Natur verstecken sollten und die älteren, sobald sie sich verliebt haben und ein ruhigeres Leben wollten, offen zeigen könnten. Die älteren Einhörner wollten sich aber nicht völlig zu erkennen geben und entschieden, dass sie ihre stattlichen Hörner für ein ruhiges Leben bei den Menschen nicht gebrauchen konnten.
Seither streifen die jungen Einhörner immer noch unerkannt durch die Wälder. Wenn sie sich verlieben und ein Einhornmädchen oder einen Einhornjungen finden, dann versprechen sie sich gegenseitig, so wie das wir Menschen auch machen.
Die Einhörner tun das, indem sie ihre Hörner abgeben und in Höhlen wie dieser aufbewahren. Und weil es immer zwei Einhörner sind, die ihre Liebe zueinander zeigen, seht ihr in dieser Höhle auch immer zwei Hörner, die langsam aufeinander zuwachsen.“
Mit einem ganz neuen Blick für ihre Umgebung schaut sich Maria um. Tatsächlich, überall sind diese Dinger, die sie für Steine gehalten hatte, in Paaren angeordnet. Lange Hörner von verliebten Einhörnern wachsen von der Decke und vom Boden aus aufeinander zu. Manche sind sogar schon zusammengewachsen!
Melanie erzählt weiter und schaut dabei Maria an. „Und jetzt weißt du sicher, wo du schon verliebte Einhörner gesehen hast, oder? Die Erwachsenen nennen sie natürlich nicht so, aber manche von euch haben sie sicher schon gestreichelt oder haben schon einmal auf einem Einhorn ohne Horn gesessen.“
Mehrere der Kinder nicken glücklich.
Auf einmal klatscht Melanie in die Hände und ruft: „So, nun lasst uns zu euren Eltern zurückgehen. Die warten bestimmt schon auf euch.
Aber nicht vergessen. Es gibt einen Grund, warum nur Kinder die Einhörner sehen können. Ihr seid alle besonders große Einhornfreunde. Also passt gut auf, dass ihr immer lieb zu unseren hornlosen Gefährten seid und haltet die Augen offen, ob ihr nicht auch im Wald ein paar junge Einhörner entdecken könnt!“
Mit diesen Worten dreht sie sich um und führt die Kinder zurück aus der Höhle.
Wie sie gesagt hat, warten ihre Eltern schon lächelnd auf Maria, als diese aus dem Höhleneingang zurück ins Licht tritt. Maria lacht und rennt freudig zu ihrer Mama zum Kuscheln.
„Mama, ich habe Einhörner gesehen! Vielleicht sehe ich auf dem Heimweg noch ein paar Einhornkinder!“
Der Papa nickt energisch und meint, „Halte nur gut Ausschau aus dem Fenster, damit du keins verpasst!“
Zusammen stehen sie wieder auf und schauen zurück auf den Höhleneingang. Aber da ist keine Höhle mehr und auch keine Melanie. Als hätte es beide nie gegeben, stehen die Kinder mit ihren Eltern mitten im Wald vor einer Felswand.
Als sie ins Auto steigen, denkt Maria an ihre Höhlentour und ist sich sicher, dass sie die Einhörner dort nie vergessen wird.
Dann schnallt ihre Mama sie an, sie nimmt Theo auf den Schoß und sie konzentriert sich ganz darauf, Ausschau aus dem Fenster zu halten. Sie möchte ja auch kein Einhornkind im Wald verpassen!
Wie hat dir diese Kindergeschichte im Darkmode gefallen?
Hast du sie deinen Kindern im Bett als Gutenachtgeschichte vorgelesen?
Hast du schon mal Einhörner gesehen? In einer Höhle oder draußen ein junges Einhorn?
Wünschst du dir weitere Geschichten? Mochtest du die Geschichte? Ich würde mich sehr über einen Kommentar von dir freuen. 🙂
Liebe Grüße
Matthias