Leonard ist eine Schlange. Er ist grün und wohnt im Spielzeugschrank von Lisa.
Wenn Lisa und er miteinander spielen, dann bestimmt Lisa immer, was Leonard sein soll. Das ist aber in Ordnung für ihn, denn er spielt gerne mit Lisa.
Tagsüber bewegt sich Leonard nicht, so wie es sich für Spielzeugschlangen gehört. Aber nachts, wenn Lisa schläft, dann ist Leonard wach und schlängelt sich durch seine Schublade im Spielzeugschrank.
Wenn Leonard nachts wach ist, dann kann er selbst entscheiden, was er sein möchte.
Und Leonard möchte ein Drache sein.
In dieser Nacht möchte er das so sehr, dass er sich langsam aus seiner Schublade herausschlängelt und sich auf den Boden des Kinderzimmers fallenlässt.
Dort liegen wie immer noch andere Spielfiguren auf dem Teppich herum. Auch sie sind nachts immer wach und bewegen sich.
Schon wird Leonard von seiner besten Freundin Carina begrüßt. Carina ist eine flauschige Pandabärin und sie ist nachts häufig hier unten auf dem Teppich unterwegs.
„Du warst aber schon lange nicht mehr hier, Leonard!“, begrüßt ihn Carina.
„Das stimmt“, antwortet Leonard nachdenklich. „Du Carina? Was brauche ich, um ein Drache zu werden?“
Carina schaut Leonard von vorn bis hinten gründlich an und meint dann: „Dir fehlt gar nicht viel, um ein Drache zu sein. Du brauchst nur vier Beine und zwei Flügel.“
Sofort leuchten Leonards Augen auf. Nun hat er ein Ziel. „Hilfst du mir, Beine und Flügel zu finden, Carina?“, fragt er.
„Natürlich, Leonard! Und ich weiß auch schon, wo wir mit der Suche anfangen können.“
Carina führt Leonard zu Holger dem Tausendfüßer auf der anderen Seite des Kinderzimmers. Holger ist schon sehr lange hier. Er kam zu Lisa, als die noch ganz klein war und noch nicht laufen konnte.
Im Moment wohnt Holger unter dem Bett von Lisa und auch er ist natürlich nachts wach.
Als die beiden Freunde beim Bett ankommen, erklärt Leonard dem Tausendfüßer seinen Wunsch.
„Ich möchte gerne ein Drache sein und brauche dafür Beine und Flügel. Kannst du mir helfen?“, fragt Leonard. Sofort fügt Carina hinzu: „Du kannst doch bestimmt zwei Beine an Leonard abgeben, oder? Du hast doch so viele!“
Holger schaut die beiden an und lacht dann laut auf. „Natürlich kann ich dir Beine abgeben, Leonard. Es fällt gar nicht auf, wenn ich zwei Beine weniger habe.“
Kurzerhand dreht sich Holger auf den Rücken und zieht mit seinen anderen Beinen zwei für Leonard heraus und übergibt sie der Schlange. „Hier, bitteschön. Die passen gut zu dir.“, summt er fröhlich.
„Danke, Holger!“, ruft nun Leonard und steckt sich die Beine unter den Bauch. „Nun
fehlen mir nur noch zwei Beine und Flügel. Weißt du vielleicht, wo ich die bekommen könnte?“
Holger überlegt kurz und schüttelt dann den Kopf. „Nein leider nicht. Aber ihr könnt ja bei den anderen Spielsachen bei der Tür vorbeischauen. Vielleicht weiß dort jemand weiter.“
Also machen sich Carina und Leonard auf den Weg zur Zimmertür. Das Schlängeln ist für Leonard durch die neuen Beine jetzt schwieriger und laufen kann er auch noch nicht richtig, aber er ist trotzdem sehr glücklich.
Als die beiden bei der Tür ankommen, sehen sie, dass dort wirklich einige Spielsachen und Kuscheltiere im Kreis sitzen und miteinander reden.
Dieses Mal bittet Carina die anderen um Hilfe. „Mein Freund Leonard möchte gerne ein Drache sein und braucht dafür noch zwei Flügel und zwei Beine. Kann ihm jemand von euch dabei helfen?“
Mehrere der anderen Spielsachen schütteln langsam den Kopf, keiner von ihnen hat Flügel oder Beine übrig.
Da ertönt eine Stimme von oben: „Du hast es gut, Leonard. Ich wünschte, ich wäre wieder eine Raupe und hätte meine Flügel nicht.“
Das muss Graf Klaus sein, der große Schmetterling mit den pinken Flügeln!
„Das Leben als Raupe war so gemütlich. Jetzt muss ich immer auf meine Flügel aufpassen und kann mich gar nicht mehr zusammenrollen.“
„Würdest du mir deine Flügel geben?“, fragt Leonard ganz vorsichtig. „Ich brauche noch Flügel, um ein richtiger Drache zu werden!“
Graf Klaus landet anmutig vor Carina und Leonard und schaut diesen ungläubig an.
„Du möchtest mir meine Flügel abnehmen? Dann könnte ich ja wieder eine Raupe sein. Ich gebe sie dir gerne, Leonard. Carina, hilf mir bitte, die Flügel an Leonard weiterzugeben.“
Sofort greift Carina zu und gemeinsam schaffen sie es, die beiden großen, pinken Schmetterlingsflügel von Graf Klaus‘ Rücken an Leonards Rücken zu befestigen.
Ganz vorsichtig wackelt Leonard mit seinen neuen Flügeln. Aber nicht vorsichtig genug, fast hebt er ab.
„Carina, halt mich fest!“, ruft er und die Pandabärin zieht ihn wieder auf den Boden zurück. „Daran muss ich mich noch gewöhnen.“
Sie verabschieden sich von den anderen Spielsachen und Graf Klaus, der sich gemütlich zusammengerollt hat, und machen sich auf den Weg zurück zum Spielzeugschrank.
Am Schrank angekommen ist Leonard ein bisschen traurig. Er hat es fast geschafft und nun fehlen ihm nur noch zwei Beine. Und gleich geht die Sonne auf.
An der Seite seiner Schublade möchte Carina sich für heute von ihm verabschieden. Gerade als Leonard in die Schublade klettern will, hört er eine Stimme.
„Leonard! Ich habe zwei Beine für dich! Brauchst du sie noch?“
Leonard dreht sich ganz überrascht um und sieht Jumbo den Grashüpfer auf sich zuhüpfen.
„Ich habe sechs Beine und meine Hinterbeine sind viel zu groß. Durch sie hüpfe ich immer über Lara hinweg, wenn ich eigentlich zu ihr möchte.“
Lara war die Frau von Jumbo und sie war ein Marienkäfer.
„Lara kann nicht so hoch springen wie ich und ich möchte lieber bei ihr am Boden bleiben. Du kannst also meine Hinterbeine haben.“
Da muss Leonard über das ganze Gesicht grinsen. Das sind genau die zwei Beine die ihm gefehlt haben.
Carina, die noch neben den beiden steht, nimmt die Beine von Jumbo und gibt sie Leonard.
Nun ist Leonard ein überglücklicher Drache. Ein Drache mit pinken Schmetterlingsflügeln, Tausendfüßerbeinen vorne und Grashüpferbeinen hinten.
Er verabschiedet sich von den beiden und hopst in einem riesigen Satz nach oben auf die Schublade.
Leonard dreht sich noch einmal um, winkt mit seinen neuen Beinen und legt sich zum Schlafen in seine Schublade.
Er schließt die Augen und sein letzter Gedanke ist, ob Lisa ihn wohl wiedererkennen würde, während er sich auf die Spielzeit mit ihr freut.
Wie hat dir diese Kindergeschichte im Darkmode gefallen?
Hast du sie deinen Kindern im Bett als Gutenachtgeschichte vorgelesen?
Vielleicht sind ja eure Spielsachen auch nachts sehr aktiv und wandern durchs Kinderzimmer, wer weiß das schon? 🙂
Wünschst du dir weitere Geschichten? Mochtest du die Geschichte? Ich würde mich sehr über einen Kommentar von dir freuen. 🙂
Liebe Grüße
Matthias